Wie Wundpatient:innen Festtage sorgenfrei erleben können

Viele Behandler:innen gehen auf Urlaub, das üppige Festessen mit der Familie steht an und das Verbandsmaterial ist beinahe aufgebraucht: Festtage wie Weihnachten oder Ostern fordern Menschen mit einer chronischen Wunde besonders heraus. Um den Betroffenen etwas mehr Leichtigkeit in dieser Zeit zu ermöglichen, haben wir einige Empfehlungen gesammelt.

Chronische Wunden brauchen viel Aufmerksamkeit. Die meist durch Gefäßerkrankungen oder Diabetes ausgelösten Wunden müssen mehrmals pro Woche medizinisch versorgt werden, auch die Primärerkrankungen dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Eine chronische Wunde ist immer unangenehm, sie kann auch Schmerzen verursachen. Die Tage rund um Weihnachten und Neujahr, Ostern oder auch die Urlaubszeit im Sommer stellen die Betroffenen allerdings vor zusätzliche Herausforderungen, denn viele Ordinationen sind zumindest zeitweise geschlossen. Für Wundpatient:innen bedeutet das unter Umständen große Sorgen – dabei sollten gerade die Festtage Freude bringen, weil man in Ruhe Zeit mit Familie und Freund:innen verbringen kann. Um Betroffenen diese Sorgen zu nehmen, haben wir uns bei führenden Wundexpert:innen umgehört und liefert konkrete Tipps, wie sich diese besonderen Tage mit einer chronischen Wunde meistern lassen.

Gemeinsam gut durch die Feiertage

Zeit mit Angehörigen und Freund:innen zu verbringen, fällt Menschen mit chronischen Wunden oft gar nicht so leicht. Sie sind in ihrer Mobilität eingeschränkt und eventuell riecht die Wunde auch unangenehm. Das kann dazu führen, dass sich Betroffene verstärkt aus dem sozialen Leben zurückziehen. Doch genau Freund:innen und Familie können dabei helfen, dass es nicht so weit kommt. Ein Besuch rund um das Weihnachtsfest, eine ehrliche Frage nach dem Befinden oder ein angeregtes Gespräch können eine chronische Wunde zwar nicht heilen, aber den Umgang mit der schwierigen Lebenssituationen erleichtern. Sind Angehörige entsprechend geschult, können sie Wundpatient:innen auch gut dabei unterstützen, einen Verbandswechsel durchzuführen, und so einen Besuch in der Ambulanz ersetzen.

a. Mit guter Vorbereitung und Unterstützung durch Behandler:innen, Angehörige und Freund:innen lassen sich die Feiertage sorgenfrei erleben. (c)Dmitry Rodionov

Genau abklären und vorbereiten

Für Personen mit einer chronischen Wunde ist es ratsam, sich vor Feiertagen und Urlauben mit ihren professionellen Behandler:innen abzusprechen. Fragen, etwa wie lange der Verband auf der Wunde belassen werden kann, wer den Verband wechseln darf und ob Verbandsmaterial und Wundspüllösungen zuhause verfügbar sind, sollten abgeklärt werden.  Auch ausreichend Bewegung zu machen und ab und zu die Beine hochzulagern, kann hier eine Rolle spielen. Betroffene sollten genau wissen, was sie tun können, wenn trotz allem ein Problem mit der Wunde auftritt. Ist alles besprochen und gut vorbereitet, lebt es sich schon viel unbeschwerter. Die Behandler:innen können die Versorgung über die Festtage auch anpassen, etwa durch Verbände, die länger auf der Wunde belassen werden können, sofern es die Heilungsphase zulässt. Ebenso können sie besondere Verbände einsetzen, die gegen den unangenehmen Wundgeruch wirken.

Mit Maß und Ziel genießen

Eine chronische Wunde ist viel mehr als die sichtbare Verletzung von Haut und Gewebe. In ihr drückt sich der allgemeine Gesundheitszustand aus. Daher sollte der Körper insgesamt beachtet werden. Wundpatient:innen dürfen ein Festessen durchaus genießen, aber mit Maß und Ziel. Nach einem Gläschen Alkohol ausreichend Wasser zu trinken und auf üppige Mahlzeiten einen Tag Schonkost folgen zu lassen, hilft dem Körper, die Balance zu halten. Wichtig ist es, den Blutzuckerspiegel im Auge zu behalten. Menschen mit einer chronischen Wunde sollten auch an Feiertagen bequeme Kleidung und Schuhe wählen, die keine Druckstellen hervorrufen.

Eine schöne Zeit trotz Wunde

Für die Wunde selbst sind Feier- oder Urlaubstage eine Zeit wie jede andere, doch für den Menschen hinter der Wunde können sie Grund zur Sorge sein. Mit guter Vorbereitung und Unterstützung durch Behandler:innen, Angehörige und Freund:innen lassen sich besondere Zeiten jedoch gut überbrücken. Damit kann eine chronische Wunde zu Weihnachten ein wenig zum persönlichen Wunder werden.

(Text: Edeltraud Günthör & Conny Schneider, 12.12.2022)